Heimische Eier in Kuchen und Backwaren verhindern Tierleid

Vizepräsidentin Maria Pein: Ein gutes Gewissen kostet nur wenige Cent

 

Österreicher wünschen sich Kennzeichnung – Realität schaut anders aus. Die Herkunftskennzeichnung von Eiern in verarbeiteten Lebensmitteln wie Kuchen, Mayonnaisen, Gebäck, Nudeln und Co. ist für die Österreicherinnen und Österreicher ein großes Thema. 86,5 Prozent (Marketagent Nov. 2017/2014: 84 Prozent) wünschen sich diese. Und 82,5 Prozent erwarten sich auch eine Kennzeichnung nach der Haltungsform. „Die Realität schaut aber anders aus. Unser alljährlicher Supermarkt-Check zeigt ein düsteres Bild. Im Gegensatz zu den Konsumentenwünschen sind Herkunfts- und Haltungsangaben auf Gugelhupf, Teigwaren, Keksen und anderen Eiprodukten sehr rar“, übt Landwirtschaftskammer-Vizepräsidentin Maria Pein Kritik an der mangelnden Transparenz, obwohl mit der österreichischen Eierdatenbank die Voraussetzungen für eine klare Kennzeichnung vorhanden sind.

 

236 Millionen Eier fragwürdiger Herkünfte werden importiert. Österreich importiert jährlich 236 Millionen Eier in Form von Flüssigei, Trockenei sowie Schaleneiern. Täglich sind das 646.065 Stück mit fragwürdiger Herkunft, meist stammen sie aus Käfighaltungen, die in der EU längst verboten sind, aber dennoch vorhanden sind. „Weil diese kein Mascherl tragen, landen sie dann versteckt in Kuchen, Backwaren, Nudeln, Keksen und Co, aber auch in der Gastronomie. Tierleid kommt so auf unsere Teller“, zeigt Vizepräsidentin Maria Pein auf. Verhindern lässt sich dies, wenn die in der EU produzierten Käfigeier in den Eiprodukten durch heimische Eier aus tierfreundlicher Haltung ersetzt werden. Pein: „Um der Bevölkerung reinen Wein einzuschenken, verlangen wir eine verpflichtende Kennzeichnung von Herkunft und Haltungsform bei Lebensmitteln mit Ei-Anteil sowie eine freiwillige Kennzeichnung des Frühstückseis auf der Speisekarte in der Gastronomie und Hotellerie“. Und sie stellt fest: „Wo Herkunft deklariert wird, gilt auch Tierschutz.“

 

Ein gutes Gewissen für nur ein paar Cent. „Unsere aktuellen Expertenberechnungen zeigen, dass ein ruhiges Gewissen bei der Verwendung von heimischen Eiern aus tierfreundlichen Haltungen für Lebensmittel mit Ei-Anteil nur ein paar Cent kostet“, unterstreicht Vizepräsidentin Pein. Um marginale 2,3 Cent würden Eierbiskotten, um 0,6 Cent eine Tube Mayonnaise, das Halbfertigprodukt Spaghetti Carbonara würde um 0,4 Cent und spezielle Kekse würden um 0,7 Cent im Supermarkt mehr kosten. Pein: „Gefordert sind jetzt die heimischen Verarbeiter in der Lebensmittelindustrie, in der Gemeinschaftsverpflegung, aber auch in der Gastronomie und Hotellerie aktiv zu werden und bewusst auf heimische Qualität zu setzen.“

 

Vorbild Delikatessen/Patisserie Frankowitsch. Dass dieser Weg erfolgreich umgesetzt werden kann, zeigt das Grazer Traditionsunternehmen Delikatessen/Patisserie Frankowitsch. „Regionalität hat bei uns absoluten Vorrang. Aus Überzeugung verwenden wir für unsere selbstgemachten Aufstriche, Mayonnaisen sowie Törtchen und Konditoreiprodukte, nur heimische Eier, zumal für unsere traditionelle Qualität nichts anderes in Frage kommt“, unterstreicht Geschäftsführer Stefan Heissenberger. Und weiter: „Als nächsten Schritt planen wir die Verwendung der heimischen Rohstoffe bei unseren Brötchen und Konditoreiprodukten auch den Grazerinnen und Grazern zu kommunizieren.“

 

Obmann Marc-Anton Uitz: Ausreichend Eier für Verarbeitungsindustrie. „In der jetzigen Hochsaison, die von November bis Ostern dauert, sind wir mit den Erzeugerpreisen zufrieden“, sagt Marc-Anton Uitz, Obmann der steirischen Geflügelhalter. Momentan können die österreichischen Legehennen-Halter den Bedarf nicht ganz decken. Allerdings steht ihnen ein langes Sommerloch bevor, in dem die Nachfrage witterungs- und urlaubsbedingt stark nachlässt. Da die Hennen nicht auf Urlaub gehen, werden diese nicht gebrauchten Eier in Österreich zu Eipulver und Flüssigei verarbeitet. „Erfreulicherweise konnten die österreichischen Legehennen-Halter trotz widriger Umstände den Selbstversorgungsgrad in den vergangenen acht Jahren um mehr als zehn Prozent von 78,07 auf aktuell 88,52 Prozent steigern. Somit sind wir bestens in der Lage, die von der Verarbeitungsindustrie geforderte Verfügbarkeit von heimischen Eiern gerecht zu werden“, unterstreicht Uitz.

 

Brandaktueller Supermarkt-Einkaufscheck der Landwirtschaftskammer: Kennzeichnung wird von Jahr zu Jahr schlechter. Wie die Berechnungen der Landwirtschaftskammer zeigen, handelt es sich um marginale Cent-Beträge, wenn heimische Eier aus tierfreundlicher Haltung in Lebensmitteln mit Eianteil verarbeitet werden. „Es ist traurig, dass die Kennzeichnung von Halbfertig- und Fertigprodukten mit Ei-Anteil immer schlechter wird“, unterstreicht Experte Anton Koller und zeigt auf: „Bei unglaublichen 90,6 Prozent der überprüften Lebensmittel findet sich weder Herkunftsangabe noch Angaben über die Haltungsform.“

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