Seitinger an Handel: Bauernfleiß braucht fairen Preis

Bauernbund-Protest vor Interspar in Leoben

„Nimmt der Handel Klimaschutz und Nachhaltigkeit ernst, muss er österreichischen Lebensmitteln mehr Wertschätzung beimessen. Es ist nicht zu erklären, dass Handelsketten Erdäpfeln aus Ägypten, Fleisch aus Südamerika, Milch aus dem Ausland oder Gemüse aus Fernost zum Anlass nehmen um einen massiven Druck auf heimische Qualitätsprodukte auszuüben. Mit unfairen und unmoralischen Preisschlachten, wie etwa Rabatten auf steirisches Qualitätsfleisch von bis zu 50 Prozent, wird der Strukturwandel in der heimischen Landwirtschaft angekurbelt“, nimmt Bauernbundobmann Landesrat Hans Seitinger den Lebensmittelhandel in die Pflicht, denn, so der Landesrat: „Auf Tierschutz gibt es keinen Rabatt!“ 

Der Steirische Bauernbund organisierte mit einigen hundert Teilnehmern und rund 100 Traktoren eine Protestkundgebung vor dem Interspar in Leoben. „Auslöser für diese Kundgebung sind die seit einigen Wochen laufenden Verhandlungen zwischen den großen Handelsketten und den österreichischen Molkereien“, erläutert Seitinger. Auf den Milchverarbeitern lastet ein enormer wirtschaftlicher Druck, der ihnen jeglichen Spielraum nimmt, weitere Preisnachlässe für den Handel zu akzeptieren. Für drei der vier großen Lebensmittelhändler in Österreich ist diese prekäre Situation dem Vernehmen nach Anlass gewesen auf die Molkereien zuzugehen und Preiserhöhungen für die gesamte Milchpalette zu akzeptieren. „Nur die Vertreter von SPAR-Österreich weigern sich, einen fairen Preis für den Fleiß der Bauern zu bezahlen! Mit der heutigen Protestaktion soll ein klares Signal des Bauernbundes gegen die Handelspraktiken von SPAR gesetzt werden“, zeigt sich Bauernbundobmann Hans Seitinger kämpferisch. Er verweist darauf, dass dieser Preiskampf unverantwortlich sei, denn: „Die heimische Landwirtschaft leistet durch regionale Produkte, kurze Transportwege sowie den Erhalt der Kultur- und Erholungslandschaft einen wesentlichen Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.“ „Uns ist der Geduldsfaden gerissen. Die Kundgebung vor dem Supermarkt in Leoben ist der erste Schritt, um unseren Unmut über unfaire Preispolitik des Handels auszudrücken, sagt Kammerpräsident Franz Titschenbacher. „Mit den österreichweiten Protestaktionen wollen wir Bewegung in die Preispolitik bringen, weil unsere Bauern für ihre Vorreiterrolle im Umwelt- und Tierschutz faire Preise verdienen“, betont Titschenbacher .

Landesbäuerin Auguste Maier weist darauf hin, dass in den 60er-Jahren der Anteil der Landwirte an der Bevölkerung noch über 30 Prozent betrug, heute sind es noch drei Prozent. „Wenn es so weitergeht, dann gehen den Konsumenten die Produzenten aus. Daher brauchen wir eine starke produzierende Agrarwirtschaft, die in der Lage ist, die Bevölkerung auch zu ernähren. Wir Bauern decken dreimal täglich den Tisch mit besten, nachhaltig produzierten Lebensmitteln, also Mittel zum Leben und das sollte auch den Handelsketten mehr wert sein“, so die Landesbäuerin.

Verantwortung für Österreich

Mit einer wachsenden Marktmacht steigt auch die Verantwortung für Österreichs Landwirtschaft und Kulturlandschaft. Ein Umdenken bei der Einkaufs- und Preispolitik des Handels ist unausweichlich, um Lebensqualität und nachhaltige Landwirtschaft weiterhin zu garantieren. Ein Weiter wie bisher bedeutet eine wachsende Abhängigkeit von Lebensmittelimporten aus aller Welt. Unseren Einfluss auf Tier- und Umweltstandards geben wir bei importierten Produkten aus der Hand.

Die Auswirkungen des Klimawandels treffen die Landwirtschaft hart. Für die gemeinsame Bekämpfung des Klimawandels braucht es daher auch beim Lebensmitteleinzelhandel eine rasche Kurskorrektur. Mehrleistungen für den Klimaschutz müssen sich im Preis für die Lebensmittel widerspiegeln. Klimaschonend produzierte Lebensmittelerzeugnisse aus der Region tragen aktiv zum Klimaschutz bei. 

Forderungskatalog zu den Protestaktionen:

  1. Stoppt die „chronische Aktionitis“ bei hochwertigen Lebensmitteln. Rabattschlachten bei Lebensmitteln gehen auf Kosten unserer Bauernfamilien. Es gibt keinen Rabatt auf Umwelt-, Klima- und Tierschutz!
  2. Mehr Wertschätzung für Österreichs Vorreiterrolle beim Umwelt- und Tierschutz durch eine faire Preisgestaltung. Österreichs Bäuerinnen und Bauern sind die ersten Betroffenen und gleichzeitig Teil der Lösung zur Bekämpfung des Klimawandels. Die hohen österreichischen Standards zu Weltmarktpreisen sind nicht möglich. Wir fordern einen „Österreichbonus“ für in Österreich produzierte Lebensmittel!
  3. Aus für das unsägliche Spielchen mit dem rot-weiß-roten Fähnchen auf Lebensmitteln aus dem Ausland. Wir brauchen eine praxistaugliche Umsetzung der Primärzutatendurchführungsverordnung in Österreich. Es darf nur Österreich draufstehen, wo Österreich drinnen ist – alles andere ist Konsumententäuschung!

 

Foto Arthur

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