Mit Feuereifer die Landwirtschaft kennenlernen

Präsident Franz Titschenbacher gratuliert Familie Birgit und Franz Eder zu dieser großen Auszeichnung und betont: Bauernhof des Jahres 2019 ist Botschafter für bäuerliche Landwirtschaft und regionale Lebensmittel

Spannungsgeladenes, hauchdünnes Kopf-an-Kopf-Rennen. Der begehrte Titel „Bauernhof des Jahres 2019“ von Landwirtschaftskammer und Fachmedium Landwirtschaftliche Mitteilungen geht heuer an Birgit und Franz Eder, die in Mariazell einen „Schule am Bauernhof“- und Biomilchbetrieb führen. Nach einem fesselnden Kopf-an-Kopf-Rennen mit mehrfach wechselnder, hauchdünner Führung entschied die obersteirische Bauernfamilie diese Auszeichnung letztlich klar für sich. Platz zwei holten sich Marieke und Helmut Wernig, die in Hitzmannsdorf/Mühlen im Bezirk Murau Mutterschafe und Lämmer halten. Der dritte Platz geht in die Oststeiermark: Die erfolgreiche, mehrfach prämierte Brotbäuerin Andrea Potzinger-Wurzer aus Gschmaier/Großsteinbach im Bezirk Weiz erreichte den dritten Stockerlplatz. Präsident Franz Titschenbacher: „Ich gratuliere den Ausgezeichneten sowie allen weiteren 20 Kandidaten sehr herzlich, die sich diesem Voting stellten. Sie sind überzeugende Botschafter der bäuerlichen Familienlandwirtschaft und für regionale Lebensmittel.“

Schule am Bauernhof: Landwirtschaftliche Entdeckungsreise. „Mit Feuereifer lernen Schülerinnen und Schüler, die kurzzeitig das Klassenzimmer auf unseren Hof verlegen, die Landwirtschaft kennen“, sind Birgit und Franz Eder von ihrer knapp vor einem Jahr gestarteten Initiative „Schule am Bauernhof“ begeistert. Der Biomilchviehbetrieb mit 30 im Laufstall mit Auslauf gehalten Milchkühen, deren Milch die Marke „Zurück zum Ursprung“ trägt, bietet den Kindern eine spannende landwirtschaftliche Entdeckungsreise. Zu bestaunen sind neben den insgesamt 70 Rindern auch die jungen im Stroh herumspringenden Kälber, die Landgänse, Pferde, Hängebauchschweine und Hühner, die 17 Schwalbennester sowie das Insektenhotel. „Butter schütteln und dann ein selbstgemachtes Butterbrot essen und zuvor live im Stall beim Melken dabei sein, sind Höhepunkte für die Kinder“, sagt die zertifizierte „Schule am Bauernhof“-Betreiberin, die bisher bereits 500 Schülern Einblick in die Landwirtschaft gegeben hat. „Viele Kinder sehen bei uns zum allerersten Mal Kühe, oft sogar erstmals eine Wiese mit längerem Gras“, sagt Birgit Eder, die diese Aufgabe mit viel Herzblut ausführt. Auf Facebook bleibt sie mit Eltern und Kindern in Kontakt, um ihnen zu erzählen, was auf dem Hof aktuell los ist.

Neue Ideen: „Schule auf der Alm“ und Sprinzenzucht. „Mit den Schülern besprechen wir auch wie man sich richtig auf der Alm verhält und welche Gräser, Kräuter sowie Blumen dort wachsen. Auf Wunsch organisieren wir auch Wanderungen auf der hofeigenen Ochsenboden- und Farnbodenalm“, erzählt Franz Eder, der auch Obmann der Wärmeliefergenossenschaft Mariazeller Land ist. Gemeinsam mit sieben Berufskollegen versorgt ihr 800 kW-Heizwerk öffentliche Einrichtungen und Geschosswohnungen mit regionaler Wärme aus nachwachsendem Hackgut. Nicht zuletzt das umstrittene Tiroler Kuhurteil hat Birgit und Franz Eder auf die Idee gebracht, bald auch eine Art „Schule auf der Alm“ anzubieten, um Kinder und Eltern für ein richtiges und sicheres Verhalten auf der Alm zu sensibilisieren.

Künftig will sich die Bauernfamilie – die 13-jährige Tochter Anja will die Biofachschule Grottenhof besuchen, Sohn Martin ist elf und Tochter Daniela sieben Jahre alt – auch verstärkt der Pustertaler Sprinzenzucht verschreiben. Zwölf Sprinzen-Jungkalbinnen sind bereits der große Stolz der Bergbauernfamilie, deren Hof auf 860 Metern Seehöhe mit direktem Blick zur Wallfahrtskirche Mariazell liegt und die auch 60 Hektar Wald nachhaltig bewirtschaftet. Für diese seltene Rinderrasse wurde in Österreich ein Generhaltungsprogramm gestartet, die Tiere werden in Mutterkuhhaltung gehalten.

Offen für Interessierte und Einladung zum Hoffest im Sommer. „Unser Hof ist für Interessierte stets offen. Wir nehmen uns gerne Zeit für Gespräche und freuen uns über jeden einzelnen Besucher“, sagt Birgit Eder. Ihr ist es ein Herzensanliegen, dass die Bevölkerung in die Landwirtschaft „hineinschnuppert“. „Deshalb laden wir im Sommer erstmals zu einem Hoffest, bei dem die Gäste den Stall, die Tiere und den Bauernhof kennenlernen können. Bei dieser Gelegenheit wollen wir auch allen Danke sagen, die uns ihre Stimme gegeben haben“, so die Bergbauern Birgit und Franz Eder, deren Hof den Vulgonamen „Feldbauer“ trägt. Kontakt: Tel. 0676/91 14 542.

Zweiter und dritter Platz. Nur rund 2.000 Stimmen trennen den Zweitplatzierten vom „Bauernhof des  Jahres 2019“. Marieke und Helmut Wernig aus Hitzmannsdorf/Mühlen betreuen 160 Mutterschafe sowie deren Lämmer und haben sich der biologischen Wirtschaftsweise sowie der Direktvermarktung verschrieben. Die Tiere werden direkt am Hof stressfrei geschlachtet und die zerlegten Teilstücke an die Gastronomie vermarktet. Marieke und Helmut Wernig, die auch einen Campingplatz mit angeschlossenem Gasthof betreiben, veredeln Lammfleisch auch zu Wurst. Lammfell und Wolle gehören auch zu ihrem Produktportfolio. Kontakt: 0664/57 34 651.

Als Drittplatzierte ist Andrea Potzinger-Wurzer keine Unbekannte. Die mehrfache Brotlandessiegerin hat ihr Hobby zum Beruf gemacht und gehört als Brotbäuerin zu den ganz großen der Steiermark. Ihre vielfältigen Brotsorten mit Natursauerteig – zuletzt erzielte sie mit ihrem Bauern-Nussbrot einen Landessieg – finden auch in Lebensmittelgeschäften und Buschenschänken großen Anklang. Die Brotvermarktung und ihre Kunst des Brotbackens ermöglicht es, dass der neun Hektar große Bauernhof mit fünf Hektar Wald und Holunder- sowie Brotgetreideanbau im Vollerwerb bewirtschaftet werden kann. Kontakt: Tel. 0664/15 25 722.

57.365 Stimmen abgegeben. Beim Voting zum „Bauernhof der Jahres 2019“ hat die Leserfamilie der Landwirtschaftlichen Mitteilung zwischen 15. Jänner und 25. Februar insgesamt 57.365 Stimmen per Internet, Postkarten oder Unterschriftenlisten abgegeben. Insgesamt haben 23 steirische Bauernhöfe am Voting teilgenommen. Der Erstplatzierte erhielt 21.525 Stimmen, der Zweitplatzierte 19.247 und der Drittplatzierte 6.794 Stimmen. In der Steiermark sind 95 „Schule am Bauernhof“-Betriebe aktiv.

 

Foto: Lk/Danner

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