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Aug 26

Der Bauer ist sauer!

Die Bauern schlagen Alarm! Die in vielen Sparten der Landwirtschaft existenzbedrohende Situation zwingt die Bauernschaft zu einem großen öffentlichen Protest und zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den dafür verantwortlichen Spannungsfeldern.Der Steirische Bauernbund und die Landwirtschaftskammer Steiermark werden daher in den kommenden Tagen mit umfangreichen Aktionen auf die Missstände hinweisen. Heute wurde zudem ein Forderungspaket präsentiert.

 

Täglich müssen durchschnittlich 2,3 Bauern in der Steiermark ihren Hof zu sperren, weil sie keine Möglichkeit mehr haben, ein ausreichendes Familieneinkommen zu erwirtschaften. „Der harte und für mich nahezu unaussprechliche Satz – Stirbt der Bauer, stirbt das Land – ist im Moment so realitätsnah und sichtbar wie nie zuvor“, so Bauernbundobmann und Agrarlandesrat Hans Seitinger.

 

Pressefoto

Die Folgen daraus sind mehr als deutlich erkennbar: So gehen derzeit pro Jahr 3500 Hektar gepflegter Lebensraum durch Verbuschung, Verödung und durch das Verbauen wertvoller Kulturflächen verloren. Das sind umgerechnet 5000 Fußballfelder pro Jahr. Um das deutlicher zu machen – in drei Jahren ist das Flächenausmaß der gesamten Landeshauptstadt Graz an Lebensraum verloren gegangen.

PreisanteileFaktum ist auch, dass mit jeder Bauernfamilie, die ihren Hof zusperrt, jeweils auch drei ArbeitnehmerInnen ihren Job verlieren. Wenn also, wie es derzeit der Fall ist, mindestens zwei Bauernfamilien pro Tag ihre Höfe schließen, bedeutet dies, dass 2000 ArbeitnehmerInnen ihre Existenz verlieren. Und zwar vom Maschinenbauer bis zum Baumeister, von den Lebensmittelverarbeitungsbetrieben bis zu den Logistikern und letztlich bis hin zur Werbebranche sind alle Wirtschaftsbereiche betroffen.

„Durch die existenzbedrohliche Situation ist auch die Investitionsbereitschaft der Bauern seit Monaten auf null gestellt, was sich sehr wesentlich auch in den Negativzahlen der steirischen Wirtschaft widerspiegelt“, so Bauernbundobmann Landesrat Hans Seitinger. Wenn Preisrückgänge bei der Milch innerhalb eines Jahres von mehr als 25 Prozent hingenommen werden müssen, die Obstbranche in Folge des Russland-Embargos regelrechte Preisstürze verkraften muss und auch die heimischen Schweinebauern untragbare Bedingungen akzeptieren müssen, spitzt sich die Situation von Tag zu Tag zu und der Frust der Bauern steigt.

 

Letztlich provoziert diese bedrohliche Situation auch einen enormen Verlust an Lebensqualität und Lebenskultur insbesondere im ländlichen Raum.

Vielen in der Gesellschaft sind die negativen Entwicklungen bislang nicht deutlich genug aufgefallen. Wenn man jedoch genauer hinschaut, sieht man, dass

  • die Arbeitslosigkeit weiter steigt.
  • Konkurse in den vor- und nachgelagerten Branchen der Landwirtschaft ansteigen.
  • Landstriche veröden
  • Hohe Lawinenschutzinvestitionen notwendig sind, weil Almen nicht mehr bestoßen werden.
  • immer weniger junge Menschen einen Hof übernehmen wollen.
  • immer mehr Handelsketten mit Eigenmarken versuchen, blitzschnell regionale Zulieferanten auszutauschen.

 

Seitinger warnt eindringlich: „Der Bauer ist sauer!“

 

„Die derzeit extrem angespannte Situation der Bauern in der Steiermark ist ein bedeutendes gesellschaftliches Thema. Wenn die Bauern nicht mehr wirtschaftlich tragfähig leben können und die Familien weiter in dieser Geschwindigkeit ihre Höfe schließen, hat das eine äußerst nachhaltig negative und irreparable Wirkung auf unser ganzes Land. Gerade in Zusammenhang mit den derzeitigen steigenden globalen Bedrohungsfeldern wäre es katastrophal, die Versorgungssicherheit und die regionale Lebensmittelqualität und letztlich Lebensqualität in unserem Land aufs Spiel zu setzen.

Daher machen der Steirische Bauernschaft und die Landwirtschaftskammer Steiermark diesen großen Aufschrei und wollen gemeinsam mit den heimischen Bäuerinnen und Bauern auch die Bevölkerung auf ihrer Seite haben, wenn es um die Zukunftsgestaltung unseres Landes geht.“, so Hans Seitinger.

 

Titschenbacher-Appell: Lasst unsere Bauern nicht im Stich!
Das ist ungerecht: Bauern bekommen leider immer weniger vom Endverbraucherpreis Großer Unmut bei Bauern. „Das haben sich die Bäuerinnen und Bauern nicht verdient. So kann es nicht weitergehen!“ Präsident Franz Titschenbacher schlägt wegen der miserablen Erzeugerpreise Alarm. Im Fokus seiner Kritik stehen auch die im Wesentlichen untragbaren Bestimmungen beim Bau- und Raumordnungsgesetz und beim Regionalprogramm. „Der Unmut der Bauern ist groß, die wirtschaftliche Lage spitzt sich immer mehr zu. Viele Bauernhöfe sind in Existenzgefahr. Es muss zu einer Trendumkehr kommen“, unterstreicht der Kammerpräsident.

 

Titschenbacher-Appell: Lasst unsere Bauern nicht im Stich! Auch sie brauchen gerechten Preis. Gemeinsam mit Landesrat Johann Seitinger hat Präsident Franz Titschenbacher ein Sieben-Punkte-Forderungspaket auf den Tisch gelegt. Seitinger und Titschenbacher appellieren an die Konsumenten, Handelsketten und die EU-Agrarpolitik: „Lasst unsere Bauern nicht im Stich! Auch sie brauchen einen gerechten Preis!“ Und weiter: „Die heimischen Bauern stellen gegenüber der Bevölkerung und dem Handel ihre Verantwortung tagtäglich unter Beweis“, betont Titschenbacher und führt ins Treffen: „Die heimischen bäuerlichen Familienbetriebe stellen weltweit einzigartig gentechnikfreie Milch her, betreuen die Tiere selbstverständlich sonn- und feiertags und halten höchste Qualitäts- und Tierschutzstandards.

Nur wenn auch den bäuerlichen Familienbetrieben Verantwortung entgegenbracht wird und sie gerechte Preise bekommen, können sie ihre Höfe gesund erhalten und in den Regionen Arbeitsplätze sichern.“

 

Bauern bekommen immer weniger vom Endverbraucherpreis. Fairplay statt Preisdrückerei. „Die Bäuerinnen und Bauern bekommen immer weniger vom Endverbraucherpreis“, kritisiert Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher und verlangt Fairplay statt Preisdrückerei. „Die Bäuerinnen und Bauern brauchen für ihre Leistungen als Lebensmittelproduzenten den ihnen zustehenden gerechten Anteil an der Wertschöpfungskette, damit sie weiter Lebensmittel herstellen, die Versorgung sichern und die Höfe weiterführen können.“ Titschenbacher konkretisiert und rechnet vor: „Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Obstbauern heute nur mehr 10,1 Prozent vom Verbraucherpreis im Geschäft erhalten, während es vor drei Jahren noch 20,3 Prozent waren. Milchbauern bekommen heute nur noch 28,6 Prozent von einem Liter Milch im Supermarkt, vor zwei Jahren waren es noch 33,8 Prozent. Weit klafft auch die Schere von Verbraucher- und Erzeugerpreis auch beim Schweinefleisch auseinander: Gerade einmal 13,7 Prozent bekommen die Bäuerinnen und Bauern vom Verkaufspreis eines Schnitzels. 2012 waren es noch 17,3 Prozent. Der Bauernanteil bei den Paradeisern liegt derzeit nur mehr bei 11,9 Prozent, 2013 waren es noch 13,9 Prozent.