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Jan 05

Das herausfordernde Bauernjahr 2016

„Das Jahr 2015 war zweifelsohne mit vielen schwierigen Herausforderungen verbunden. Schmerzhafte Problemfelder, wie Preiszusammenbrüche in wichtigen Sparten, Embargos und Naturkatastrophen, um nur einige Beispiele zu nennen, begleiteten uns im Jahr 2015“, zieht Landesrat und Bauernbundobmann Seitinger ein Kurzresümee. „Gerade vor dem Hintergrund dieser großen Herausforderungen ist es besonders wichtig unseren Bäuerinnen und Bauern Perspektiven und Visionen zu vermitteln, an denen sie sich orientieren können“, blickt Seitinger nach vorne.

 

Die geistigen Hektar sind die ertragreichsten!

Ausblick 2016Ein wichtiger Bestandteil für den zukünftigen Erfolg ist für den Bauernbundobmann neben der Bildung auch eine qualitätsvolle Beratung. „Investitionen in die landwirtschaftlichen Schulen, in die bäuerlichen Beratungseinrichtungen und die Stärkung professionell geführter Erzeugergemeinschaften sind daher das richtige Rezept für eine erfolgreiche Land- und Forstwirtschaft. Mir geht es auch darum, die Landwirtschaftskammer und die Bezirkskammern als moderne und innovative Dienstleistungsanbieter für bäuerliche Betriebe zu stärken, und das Service weiter auszubauen. Mit Franz Titschenbacher und Maria Pein verfügt die Landwirtschaftskammer über zwei starke Führungspersönlichkeiten, die mit einem starken Team die besten Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Interessensvertretung mitbringen. Das sollte auch am 31. Jänner entsprechend Anerkennung finden“, stellt Seitinger die Kammerarbeit ins richtige Licht.

 

Bewusstseinsoffensive für Landwirtschaft und Ernährung

Seitinger formuliert seine Ziele für die künftige Ausrichtung der Agrarpolitik ganz klar: “Nur in der Differenzierung zwischen Klasse und Masse liegt unsere Chance. Unsere kleinstrukturierten Betriebe können nur mit Qualitätsprodukten, starken Marken und einer hohen Transparenz in der Erzeugung überleben. Außerdem braucht es dazu ein hohes Konsumentenvertrauen.“

 

Es ist aber zu wenig, dass nur die Landwirte dieses hohe Niveau tagtäglich leben. Entscheidend ist vor allem, dass diese Qualität auch von den Konsumenten wertgeschätzt wird. Für die Bewusstseinsbildung bedarf es jedoch gut ausgebildeter Bäuerinnen und Bauern. Darüber hinaus ist das Wissen über Lebensmittel und die richtige Ernährung ein großes Manko in unserer Gesellschaft und im generellen Bildungsangebot. Dies schlägt sich im negativen Sinne in einer Vielzahl von Volkskrankheiten, die Unsummen an Budgetmitteln verschlingen, nieder. Aus diesem Grund wird eine umfangreiche Bildungsoffensive zu den Themen Landwirtschaft und Ernährung ins Leben gerufen.

 

Spottpreis-Wahn

Die „Geiz ist geil – Mentalität“ und der Trend zu immer größeren Einheiten hat viele kleine bäuerliche und gewerbliche Betriebe zum Zusperren gezwungen. Ein Vielzahl dieser Betriebe, wie z.B. Fleischer, Bäcker oder auch andere Handwerksbetriebe mussten auf Grund von billigen Massenproduktionen weichen. „Auch das neue Jahr wurde wieder mit Spottpreisaktionen eingeläutet, die bei mir die Alarmglocken läuten ließen. Unter diesen Bedingungen kann die regionale Versorgungssicherheit mit besten Lebensmitteln auf Dauer nicht mehr sichergestellt werden. Wenn wir unsere kleinbäuerlichen Strukturen zerstören, wird Wertschöpfung exportiert und Tierleid importiert. Das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein“, sieht Seitinger ein klares Bedrohungsszenario durch den Spottpreis-Wahn.

 

Präsident Franz Titschenbacher: Faire Erzeugerpreise für die bäuerliche Landwirtschaft. Kritik an falschen AK-Preisvergleichen. Ob Schweinefleisch, Äpfel oder Milch: Der Anteil der Erzeuger am Endpreis ist in den vergangenen Jahren in allen Bereichen gesunken. Die Erzeugerpreise sind nicht mehr kostendeckend, die Bauernfamilien arbeiten ohne Lohn, viele Betriebe sind in Existenznöten. Dazu Präsident Franz Titschenbacher: „Wir kämpfen dafür, dass der Bauernanteil am Endverbraucherpreis endlich wieder steigt. Heimische Lebensmittel sind mehr wert. Dieser Mehrwert, die hohe Qualität, die bäuerlichen Strukturen und die Arbeit der Familienbetriebe müssen beim Preis berücksichtigt werden.“ Und von der Arbeiterkammer fordert Titschenbacher Fairness ein: „Deren Lebensmittelpreisvergleiche sind falsch und daher nicht aussagekräftig. Weder die unterschiedlichen Qualitäten, weder Kundenkarten- noch Mengenvorteilspreise, noch die sehr unterschiedliche Produktions- und Handelsstruktur in Österreich und Deutschland werden dabei berücksichtigt. Dagegen verwehren wir uns“.

 

Präsident Franz Titschenbacher: Praxistaugliche Gesetze – Kultur des Ermöglichens muss wieder Platz greifen. „Verschiedene gesetzliche Bestimmungen und Verordnungen machen es den Bauern derzeit sehr, sehr schwer. Mehr sogar: Diese sind in wesentlichen Teilen untragbar, vollkommen praxisfremd und erzeugen eine für Bauern und Behörden unbewältigbare Bürokratie“, erläutert der Kammerpräsident und meint in erster Linie die neue Schongebietsverordnung und auch das Baugesetz. Zur Schongebietsverordnung sagt der Präsident: „Trotz aller Versuche und Kompromissvorschläge für einen umfassenden und praktikablen Grundwasserschutz war keine praxistaugliche Veränderung der Verordnung möglich. Wir werden die Rechtmäßigkeit der Verordnung genau beobachten und weitere Schritte setzen“. Kritik äußerte Titschenbacher auch am Baugesetz, wodurch der Bau beispielsweise von Ställen extrem erschwert beziehungsweise jahrelang hinausgezögert werden kann. Der Kammerpräsident: „Wir erwarten uns Erleichterungen im Sinne der Kultur des Ermöglichens.“ Und weiter: „Der Stillstand beim Stallbau wirkt sich auch negativ auf das regionale Gewerbe, auf Stallbau- und Stalleinrichtungsfirmen, die Landmaschinenhändler und Landmaschinenfirmen aus und gefährdet Arbeitsplätze“. Insgesamt sichert die steirische Landwirtschaft direkt und indirekt insgesamt 100.000 Arbeitsstellen.

 

Präsident Franz Titschenbacher: Eigentumsschutz hat höchste Priorität. In unserer schnelllebigen Zeit ist das Eigentum der Bauern zunehmend in Gefahr. Unkontrolliertes Mountainbiken schadet unseren heimischen Wäldern und ist eine Gefahr für Wild, Eigentümer und Eigentum und auch für die Sportler selbst. Titschenbacher: „Eine generelle Öffnung der Forststraßen ist unvorstellbar. Denn die Forststraßen sind in erster Linie Arbeitsplatz und kein Fitness-Studio für Hobby-Sportler“. Und weiter: „Für uns steht deshalb fest: Weitere Mountainbike-Strecken darf es nur im vertraglichen Einvernehmen mit den Waldbesitzern geben – und die Benützung muss auch finanziell abgegolten werden“. Bereits 70.000 Österreicherinnen und Österreicher haben bereits für die Sicherheit im Wald unterschrieben. Eine klare Position hat die Landwirtschaftskammer auch zu den Natura-2000-Ausweisungen. Titschenbacher: „ Wir sind für einen sinnvollen Naturschutz, aber gegen sinnlose Natura-Neuausweisungen. In diesem Zusammenhang kommt für uns nur ein Vertragsnaturschutz bei entsprechenden Abgeltungen in Frage“.

 

Präsident Franz Titschenbacher: Zukunft Land- und Forstwirtschaft 2030. Unsere steirischen Bauern sorgen für gesunde, wertvolle Lebensmittel – sie stehen für Tierwohl, gepflegte Landschaften und gelebten Klimaschutz. Titschenbacher: „Dieses bewährte, naturnahe Wirtschaftssystem wollen wir erhalten – und wir arbeiten auf Hochtouren am Zukunftsplan 2030 für unsere heimische Land- und Forstwirtschaft, den wir Mitte 2016 auf den Tisch legen werden“. Und weiter: „Es freut mich sehr, dass bisher daran landesweit sehr viele junge Bäuerinnen und Bauern sowie angehende Hoferübernehmerinnen und Hofübernehmer mitgewirkt haben“. Aufgezeigt werden dabei Chancen und Potenziale sowie Nischen und Erwerbskombinationen für die steirische Landwirtschaft unter der Voraussetzung von fairen Erzeugerpreisen sowie von produktionsfreundlichen Rahmenbedingungen.

 

Vizepräsidentin Maria Pein: Bäuerinnen sind Seele des Hofes, überdurchschnittlich unternehmerisch aktiv und wichtige Botschafterinnen für heimische Lebensmittel. „Dass wir mit unseren hochqualitativen Lebensmitteln im europaweiten Spitzenfeld liegen, ist sicher mit ein Verdienst der steirischen Bäuerinnen. Sie sind die Seele des bäuerlichen Familienbetriebes, im europäischen und im Vergleich mit anderen Wirtschaftsbereichen überdurchschnittlich unternehmerisch aktiv – 40 Prozent der steirischen Bäuerinnen sind auch Betriebsführerinnen – und sie sind glaubhafte Botschafterinnen für heimische Lebensmittel“, unterstreicht Vizepräsidentin Maria Pein, die selbst in Deutsch Goritz einen landwirtschaftlichen Betrieb führt. Und weiter: „Der Beruf Bäuerin ist mit seiner guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Selbständigkeit und Naturverbundenheit moderner denn je“. Das mehr als 40.000 Mitglieder zählende Bäuerinnen-Netzwerk, die Bäuerinnenorganisation Steiermark, hat jetzt die Arbeitsgruppe „Unser Weg zum Konsumenten eingerichtet“. Pein: „Mit diesem Arbeitsschwerpunkt wollen die steirischen Bäuerinnen den Wert der heimischen Lebensmittel verstärkt ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken“.

 

Vizepräsidentin Maria Pein: Soziale Absicherung für Bauernfamilien sehr wichtig. Die Kranken- Unfall- und Pensionsversicherung muss auch künftig als stabile Säule der sozialen Absicherung für die bäuerlichen Familien erhalten bleiben. Sie ist eine wichtige Errungenschaft für die Bauernfamilien“, unterstreicht Vizepräsidentin Maria Pein. Zu 80 Prozent pflegen die Bäuerinnen und Bauern ihre Eltern oder Schwiegereltern auf den Höfen. Daher ist es enorm wichtig, dass die Sozialversicherungsanstalt der Bauern (SVB) auch künftig präventiv verschiedene Gesundheitsaktionen und Erholungsaufenthalte für die pflegenden Bäuerinnen und Bauern anbietet, damit sie trotz Mehrfachbelastung ihre Gesundheit erhalten. „Besonders wichtig ist auch die soziale Betriebshilfe, wodurch bei Schicksalsschlägen, bei Krankheit oder Tod, Ersatzarbeitskräfte die Weiterführung des Betriebes ermöglichen“, unterstreicht die Vizepräsidentin. Und stellt klar: „Für die Bauernfamilien sind die Sozialversicherungsbeiträge gerade in den wirtschaftlich so schwierigen Zeiten eine enorme finanzielle Herausforderung. Wir bemühen uns aber sehr, das bauernspezifische Leistungsspektrum zu erweitern und abzusichern sowie für die nächsten Generationen weiterzuentwickeln“.