Wolf in St. Peter/Judenburg; Zeit der falschen Toleranz ist endgültig vorbei: Der Steirische Bauernbund fordert schnelle Reform beim Prädatorenmanagement und bei der praxistauglichen Wolfsverordnung zum Schutz der Bevölkerung.
Graz, 13.12.2025 – Die Zeiten, wo man Wölfe nur sehr selten in abgelegenen Bergregionen antreffen konnte und Nutztiere nur auf entlegenen Almen qualvoll gerissen werden, ist mit der heutigen Wolfssichtung in St. Peter ob Judenburg endgültig vorbei: Die dem Steirischen Bauernbund zugespielten Bilder und Videos zeigen einen Wolf durch die Siedlungen des Ortes laufen. Mit der zunehmenden Verbreitung des Wolfes in Österreich und der Steiermark nähert sich der Wolf mittlerweile auch bewohnten Siedlungsgebieten an, verliert immer mehr die Scheu von Menschen und wird dadurch zur Gefahr für die Bevölkerung. „Dass Wölfe nun durch Privatgärten laufen und plötzlich auf Gartenterrassen auftauchen, zeigt, dass die Bedrohung, vor der wir als Bauernbund immer gewarnt haben, eingetreten ist“, so Bauernbund-Obfrau Simone Schmiedtbauer. „Es geht uns nicht nur um den Schutz unserer Nutztiere, sondern auch um die Bewohnerinnen und Bewohner des gesamten ländlichen Raumes.”
Aktuelle Studie zeigt: Konflikte zwischen Wolf und Bevölkerung nehmen zu
Die im Auftrag des Umweltschutzministeriums (BMLUK) erstellte Studie der Universität für Bodenkultur (BOKU) im Oktober dieses Jahres zeigt, dass Vorfälle wie heute in der Steiermark zunehmen: Seit Beginn der 2000er Jahre breitet sich der Wolf in Europa stetig aus mit jährlichen Zuwachsraten von bis zu 30 Prozent. Mit der zunehmenden Verbreitung stiegen bereits die Konflikte mit der Landwirtschaft und der Nutztierhaltung sowie der Bevölkerung im ländlichen Raum. Durch Risse in Siedlungsgebieten wurde der Wolf auch zunehmend als potenzielles Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung wahrgenommen. Bauernbund-Direktor Bernd Brodtrager sieht die Bauernbund-Position durch die Studie bestätigt und fordert Maßnahmen, bevor es zu spät ist: „Der Wolf taucht immer mehr in Siedlungsgebieten, auf Kinderspielplätzen oder in Privatgärten auf. Wir warten sicherlich nicht darauf, bis es zu Attacken auf Menschen kommt“, so Brodtrager besorgt.
Praxistaugliche Wolfsverordnung durch Reformen im Naturschutz notwendig
Die Senkung des Schutzstatus des Wolfes wurde heuer bereits EU-weit mit Mehrheiten im EU-Parlament und im Rat erreicht. Zuständig für die Umsetzung sind die Bundesländer in Österreich. In der Steiermark liegt die bestehende, aber aus Sicht von Landwirten, Almbewirtschaftern und Jägern unzureichenden Wolfsverordnung in den Naturschutzagenden. Mit der bereits im Juli angekündigten Reform, die fachliche Zuständigkeit für jene Tierarten, deren Ausbreitung in der Steiermark in den vergangenen Jahren zu Nutzungskonflikten geführt hat, in das Jagdgesetz zusammenzuführen, soll eine praxistaugliche Regelung – Realität werden. „Mit dem heutigen Vorfall ist klarer denn je: Wir brauchen eine zügige Umsetzung der Reform für ein praxistaugliches Management von Raubtieren. Wir wollen ganz sicher keine Tierart ausrotten – aber wir stehen an der Seite unserer Bäuerinnen und Bauern und der Bevölkerung im gesamten ländlichen Raum. Die Regelung im Jagdgesetz ist das Fundament für eine praxistaugliche Wolfsverordnung“, so Schmiedtbauer abschließend.







