Strasser: „Unsere Bauern sind keine Preistreiber, sondern selbst Leidtragende der Teuerung.“
In der aktuellen Debatte um staatliche Eingriffe in die Lebensmittelpreise spricht sich der Österreichische Bauernbund klar gegen pauschale Preiseingriffe aus. Bauernbund-Präsident Abg.z.NR DI Georg Strasser betont: „Unsere Bäuerinnen und Bauern sind keine Preistreiber, sondern selbst Leidtragende der Teuerung. Wer an der Preisschraube dreht, ohne auf die realen Kosten zu schauen, gefährdet die Versorgungssicherheit im Land.“
Preiseingriffe scheinen nur auf den ersten Blick wirksam
Internationale Beispiele wie Ungarn zeigen, dass Preisobergrenzen bei Grundnahrungsmitteln nicht nur zur Angebotsverknappung führen, sondern auch Einkaufstourismus befeuern und mittelfristig den gesamten Warenkorb verteuern. Auch Spanien, oft als Vorbild genannt, konnte mit der befristeten Mehrwertsteuersenkung auf Basislebensmittel lediglich einen kurzfristigen Preiseffekt erzielen. Bereits wenige Monate später stiegen die Preise erneut. Die Maßnahme war nur temporär wirksam und zeigte keine nachhaltige Entlastung. Zudem kam es zu Verwerfungen bei Produktgrößen, Margenverschiebungen und wachsender Intransparenz. „Künstliche Preiseingriffe verzerren den Markt, gefährden Verfügbarkeit und setzen heimische Lebensmittel unter Druck. Sie schaden am Ende allen: den Bäuerinnen und Bauern, den Regionen und den Konsumenten“, so Strasser.
Bewusst konsumieren statt blind eingreifen
Statt planloser Preisinterventionen fordert der Bauernbund gezielte Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung. Denn: Rund 229.000 Tonnen vermeidbare Lebensmittelabfälle entstehen jährlich allein in österreichischen Haushalten – das sind 134 Kilo pro Kopf.
Studien zeigen, dass 47 Prozent der Abfälle in privaten Haushalten entstehen, nicht in der Produktion oder Gastronomie. Laut AMA-Marketing kostet vermeidbare Verschwendung die Haushalte bis zu 800 Euro jährlich. Geld, das leicht eingespart werden könnte. „Jede bewusst gekaufte und verbrauchte Mahlzeit spart Geld und macht staatliche Eingriffe überflüssig. Bewusstsein und Bildung sind der beste Preisschutz“, so Strasser.
Produktionskosten sind massiv gestiegen
Die Landwirtschaft kämpft mit stark gestiegenen Kosten bei Energie, Betriebsmitteln und Futtermitteln. Ob Fleisch, Milch oder Getreide, überall sind die Erzeugungspreise massiv gestiegen. „Die Teuerung trifft damit auch unsere bäuerlichen Familienbetriebe unmittelbar. Wer jetzt pauschal in Preise eingreift, ohne die Produktionsrealität zu kennen, gefährdet die Zukunft unserer landwirtschaftlichen Betriebe“, warnt Strasser.
Appell: Kosten senken statt Markt verzerren
Der Österreichische Bauernbund fordert statt Preisdeckeln:
- eine entschlossene Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung
- mehr Kostentransparenz entlang der Wertschöpfungskette
- ein entschiedenes Vorgehen gegen territoriale Lieferbeschränkungen
- klare Absage an pauschale Eingriffe auf dem Rücken der bäuerlichen Betriebe
„Lebensmittel sind mehr wert und nicht weniger. Solange entlang der Wertschöpfungskette so wenig Transparenz darüber herrscht, wer wie viel vom Kuchen bekommt, brauchen wir nicht über staatliche Markteingriffe diskutieren. Wer leistbare Preise will, muss faire Bedingungen für unsere Bäuerinnen und Bauern schaffen. Nur so sichern wir Versorgung, Qualität und regionale Herkunft“, so Strasser abschließend.







