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Apr 10

Zuviel fruchtbarer Boden wird verbaut

Präsident Franz Titschenbacher: Raumplanung ist gefordert, den dramatischen Bodenverlust zu bremsen. Österreich ist Europameister beim Bodenverbrauch, die Steiermark bundesweiter Spitzenreiter. Die UNO hat 2015 als Jahr des Bodens ausgerufen, die Kammer macht in der Woche der Landwirtschaft vom 20. bis 26. April bei zahlreichen Aktionen in den Bezirken auf die Bodenvergeudung aufmerksam.

Bild 2Österreich Europameister bei der Verbauung, Steiermark bundesweiter Spitzenreiter. „Während es der Landwirtschaft durch das Umweltprogramm gelang, die Böden zu schützen und die Bodenqualität teils zu verbessern, konnte der Bodenverbrauch nicht gebremst werden“, betont Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher. Österreich ist Europameister bei der Verbauung fruchtbarer Böden. Täglich geht für den Bau von Shopping-Zentren, Industriehallen, Lager- und Logistikflächen sowie Siedlungsbauten in Österreich ein stattlicher Bauernhof mit 22,4 Hektar (30 Fußballfelder) verloren, pro Jahr sind das 8.176 Hektar (10.900 Fußballfelder). Die Steiermark ist mit täglich sechs Hektar (8 Fußballfelder) bundesweiter Spitzenreiter, pro Jahr sind es 2.190 Hektar oder 2.920 Fußballfelder. Österreich verbaut mit 0,5 Prozent der Ackerfläche um 100 Prozent mehr als Deutschland mit 0,25 Prozent der Ackerfläche und ist damit Europameister im Bodenverbrauch.

Dramatik bei ungebremstem Bodenverbrauch. In den vergangenen 20 Jahren hat die Steiermark 20.000 Hektar (26.700 Fußballfelder) wertvollen Ackerboden verloren, das ist die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche des Bezirkes Voitsberg. „Geht die Vergeudung gleich rasant weiter, verliert die Steiermark in den kommenden 20 Jahren weitere 43.800 Hektar (58.400) Fußballfelder, das entspricht der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Bezirkes Hartberg-Fürstenfeld“, warnt Titschenbacher vor einer Gefährdung der Lebensmittelversorgung, was „uns als Land verletzbar macht“. Gleichzeitig entstehen in Österreich jährlich 1.100 Hektar (1.460 Fußballplätze) an ungenutzten Industrie- und Wohnflächen, weitere 4.500 Hektar (6.000 Fußballfelder) werden durch Lager- und Logistikflächen versiegelt. Titschenbacher: „Damit könnten rund 57.000 vierköpfige Familien ein ganzes Jahr mit den Grundnahrungsmitteln Milch und Fleisch versorgt werden“.

Forderung: Raumordnung anpassen. Industriebrachen wiederverwerten. Um die Zukunft der bäuerlichen Jugend nicht zu verbauen und die eigenständige Lebensmittelversorgung zu sichern, verlangt Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher einen wirksamen Schutz von Acker- und Grünlandflächen durch eine rasche Bund-Länder-Vereinbarung gemäß Artikel 15a. Die jeweiligen Raumordnungsgesetze müssen so angepasst werden, um den dramatischen Bodenverlust wirksam zu bremsen, wobei eine ausgewogene Entwicklung von Ballungsräumen und ländlichen Gebieten möglich sein muss. Titschenbacher: „In diese sollte etwa eine zwingende Wiederverwertung von brach liegenden Industrie- und Gewerbeflächen hineinverpackt werden. Konkret sollten Industrie- und Gewerbebrachflächen reaktiviert, Ortskerne revitalisiert sowie Baulücken im Ortsverbund aufgefüllt werden. Außerdem verlangt der Kammerpräsident von Städten und Gemeinden strengere Auflagen bei der Flächenwidmung.“

Österreicher ärgern sich und sind für Stopp der Bodenvergeudung. Dass der sorglose Umgang mit Agrarflächen auch die Bevölkerung stört, bestätigt eine vom market-Institut, im Auftrag der Österreichischen Hagelversicherung durchgeführte Umfrage. Die Ergebnisse:
• 83 Prozent der Bevölkerung befürchtet den Verlust von Erholungsräumen
• 80 Prozent der Bevölkerung kritisiert die Verschandelung des Landschaftsbildes
• 78 Prozent der Bevölkerung meint, dass der Bodenverbrauch gestoppt werden sollte
• 70 Prozent der Bevölkerung sieht die heimische Lebensmittelversorgung gefährdet.

Bodenzustand in der Steiermark: Humusgehalt und Bodenqualität verbessert. Während sich im Grünland der Humusgehalt in den vergangenen 15 Jahren generell verbessert hat, hängt im Ackerbau der Humusaufbau von den Bodenschutzmaßnahmen des jeweiligen Bewirtschafters ab. Vor allem aktive Begrünungen, die mehr als die Hälfte der steirischen Ackerbauern nach der Ernte anlegen, helfen mit, den Humusgehalt zu erhöhen. Zusätzlich werden in der Steiermark auf rund 26.000 Hektar Ackerflächen ganzjährig Kleefutter und Wiesengräser angebaut, was sich sehr positiv auf Bodenleben und die Bodenfruchtbarkeit auswirkt. „Durch den Klimawandel sind die Bauern zusätzlich gefordert, weil die häufigen Starkregenereignisse und die längeren Trockenperioden die sensiblen steirischen Böden belasten“, unterstreicht Kammerdirektor Brugner.

Sorge um Erosion. Landwirtschaft wird von Tälern auf Hügelland verdrängt. Zahlreiche Erosionsschutzprojekte. „Mit der starken Verbauung der fruchtbaren Böden in den Tälern – nicht nur in den Ballungszentren, sondern auch rund um verkehrsgünstig gelegene kleinere Orte – wird der Ackerbau zusehends in die Hügellagen verdrängt“, zeigt sich Präsident Franz Titschenbacher besorgt. Und weiter: „Dadurch sind unsere Landwirte besonders gefordert teure und arbeitsintensive Erosionsschutzmaßnahmen zu treffen, um die Böden vor Humusabtrag zu schützen“. Das bedeutet: Investitionen in teure Bodenbearbeitungsgeräte und Sätechnik.

Beratungsoffensive Erosionsschutz. Die steirische Kammer unterstützt die Ackerbauern mit der Beratungsoffensive Erosionsschutz. Im Schwerpunktgebiet Südoststeiermark betreuen speziell ausgebildete Mitarbeiter die Landwirte. Mehr als 1.000 Landwirte der Südoststeiermark wirken bei diesem groß angelegten Projekt mit. In den vergangenen Monaten fanden zahlreiche Erosionsschutz-Stammtische und vier Erosionsschutz-Fachtage sowie zahlreiche Feldbegehungen und Exkursionen zu Lehr- und Demonstrationsflächen, die in Zusammenarbeit mit der Karl-Franzens-Universität Graz, Institut für Geographie und Raumforschung, Univ. Prof. Reinhold Lazar, angelegt wurden, statt. Der Erfolg: „Im Vorjahr sind trotz heftiger Starkregen die Erosionsschäden deutlich zurückgegangen“, so Brugner.

Bilder honorarfrei: LK