„Das Papier liest sich wie eine neuerliche Kampfansage der AK, die ganz offensichtlich schon einen vorzeitigen Wahlkampf-Start für die SPÖ ausgerufen hat. Ich bin entsetzt über die haarsträubenden Vergleiche“, appelliert Grillitsch an die Verantwortlichen zu einer Versachlichung der Diskussion beizutragen. „Wenn diese Studie zugleich das SPÖ-Programm für die heimische Landwirtschaft ist, dann ist klar, dass die heimische Landwirtschaft abgeschafft und durch Industrie-Versorgung von außen ersetzt werden soll“, so die Befürchtung des Bauernbund-Präsidenten.

Stall und Feld sind Produktionsmittel
Dass es der AK Wien abermals nicht um eine sachliche Auseinandersetzung mit der Landwirtschaft geht, sondern um die schiere Diffamierung einer Branche, zeigen gleich mehrere schiefe Vergleiche auf denen die Grundaussagen der Studie beruhen: So vergleichen die Autoren die Einkommen eines bäuerlichen Haushaltes mit denen eines unselbständigen Industriearbeiters. Am Bauernhof arbeiten aber durchschnittlich drei selbstständig arbeitende Familienmitglieder, die das Einkommen erwirtschaften. „Ein Landwirt ist ein Produktionsbetrieb mit Anlagevermögen in Form von Feldern, einem Stall und Maschinen zur Bewirtschaftung der Flächen. Wie können die Volkswirte der AK Wien ernsthaft Sachgüter, die für die Produktion benötigt werden, mit dem Nettoeinkommen eines Industriearbeiters vergleichen“, wundert sich Bauernbund-Präsident Grillitsch über die unwissenschaftliche Methode. Überdies seien Sozialtransfers, die Sozialversicherung und Steuerleistungen in das Gesamteinkommen des bäuerlichen Haushaltes eingerechnet, beim Arbeiter hingegen tunlichst ausgespart worden. Weiters ist der bäuerliche Haushalt als Ganzes erfasst worden, der Arbeiter als Individuum. Hier liegt für Grillitsch der Schluss nahe, dass „bewusst Äpfel mit Birnen verglichen“ wurden. „Es scheint, als ob für die AK-Rechner ein Kuhstall dasselbe ist wie ein Flatscreen in einer Arbeiterwohnung in Leoben“, wundert sich Grillitsch über die Rechenmethoden.

Einkommenssteigerung beträgt 0,4 %
Dass ausgerechnet das Vergleichsjahr 2008 – ein außergewöhnlich gutes Einkommensjahr, während 2009 die Bäuerinnen und Bauern ein Minus von 28 % wegstecken mussten - herangezogen wurde, spricht sehr für eine tendenziöse Herangehensweise, wo die AK-Rechner fieberhaft Beweise für die vorher festgelegte These suchten. „Jeder Landwirt lebt von seinem Grund und Boden, insofern als dass er diesen zum Wohle der Allgemeinheit, zur Sicherung von Versorgung mit Lebensmitteln und der Beschäftigung im ländlichen Raum, bewirtschaftet“, hält Grillitsch fest.

Will AK Industrialisierung?
„Agrarzahlungen sind Entgelte für erbrachte Leistungen und keine Sozialleistungen – dass Landwirte auf 100 Hektar entsprechend mehr Leistungen erbringen als dies ein Bauer auf 15 Hektar erbringt, liegt in der Natur der Sache“, hält der Bauernbund-Präsident die willkürlichen Groß-Klein Vergleiche für leicht enttarnbar. „Zudem nimmt der landwirtschaftliche Betrieb viel unternehmerisches Risiko für wirtschaftlich schlechte Jahre oder Preisverfall auf sich, das bäuerliche Einkommen kann von einem Jahr auf das andere extrem schwanken“, erklärt Grillitsch die wirtschaftliche Realität auf den Höfen. „Tatsächlich ist der Unternehmensgewinn von 1988 bis 2009 nominal lediglich um 0,4 % angestiegen, real gibt es sogar ein Minus von 1,7 %“, stellt Grillitsch fest. „Landwirte, Konsumenten und Arbeitnehmer sitzen in einem Boot. Wir brauchen Sicherheit und keinen geschürten Neid-Komplex, der die heimische Produktion in Frage stellt und gefährdet“, reagiert Fritz Grillitsch abschließend auf die jüngste gefährliche AK-Polemik.
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