Nein zu Total-Liberalisierung des EU-Milchmarktes



"Wir kämpfen mit voller Kraft gegen die Total-Liberalisierung des EU-Milchmarktes, um unsere Milchbauern in den benachteiligten Gebieten des Alpenraumes zu schützen", erklärte Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch am Freitag, dem 11.Mai 2007, bei einer vom Bauernbund organisierten milchwirtschaftlichen Fachtagung in Gmunden (OÖ). Eine aktive Milchpolitik sei der Garant für eine Zukunft der Milchproduktion in Österreich, betonte Grillitsch. Der Österreichische Bauernbund setze sich daher klar für eine Verlängerung der Quotenregelung ein, denn diese sei für die heimischen Milchbauern von zentraler Bedeutung.
Der Bauernbund-Präsident wies jedoch auch darauf hin, dass derzeit nur sechs Länder als Verbündete gemeinsam mit Österreich für eine Verlängerung der Quotenregelung eintreten. Es sind dies Finnland, Portugal, Spanien, Frankreich, Slowenien und Griechenland. "Nun gilt es Verbündete zu suchen, um die Kräfte und Anstrengungen im Interesse unserer Milchbauern zusammenzuführen. Ich habe bereits auf mehren Ebenen in Brüssel und im benachbarten Bayern unsere Sorgen angesprochen", erklärte Grillitsch.
Im Rahmen der Tagung informierten hochrangige Experten aus Brüssel und Österreich über die politischen Rahmenbedingungen für den EU-Milchmarkt sowie über Trends im Lebensmittelhandel. Der Milchexperte der Europäischen Kommission, Thorkild Rasmussen, erklärte dabei, dass er eine Fortführung des EU-Milchquotensystems über das Jahr 2015 hinaus für unwahrscheinlich halte. So bringe das Quotensystem laut Rasmussen mehr Nachteile als Vorteile, da die Quoten Wettbewerbsfähigkeit und Strukturentwicklung hemmen würden. Diese hätten in der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik keine Rechtfertigung mehr. "Bereits im kommenden Jahr werden im Zuge des Gesundheitschecks der Gemeinsamen Agrarpolitik wichtige Entscheidungen für den europäischen Milchmarkt fallen", war die unmissverständliche Aussage des Kommissionsbeamten.
Leopold Kirner von der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft verwies in seinen Ausführungen darauf, dass die einzelbetriebliche Wirtschaftlichkeit vor allem das Ergebnis getroffener und künftiger Entscheidungen sei. Er riet daher dringlich zur Erstellung von Betriebskonzepten. "Eine Änderung der Milchquotenregelung fördert das einzelbetriebliche Wachstum und eröffnet Chancen für Betriebe mit größerem Wachstum, während Betriebe mit stagnierender Produktion benachteiligt werden", so Kirner.
Christian Rosenwirth, Milchmarktexperte des Landwirtschaftsministeriums, bestätigte, dass sich Österreich weiterhin für eine Verlängerung der Milchquotenregelung einsetzen werde. "In Österreich kommen 80 Prozent der Milchproduktion aus dem benachteiligten Gebiet – davon 65 Prozent aus dem Berggebiet. Daher sind Wettbewerbsnachteile gegenüber Gunstlagen in anderen Gebieten Europas zu befürchten", so Rosenwirth. "Bevor Österreich ein Zugeständnis zum Quotenauslauf machen kann, brauchen wir eine Zusage für konkrete Begleitmaßnahmen. Wenn es zum Ausstieg kommt, dann brauchen wir ein Sicherheitsnetz", ergänzte Rosenwirth.
Vom Landwirtschaftsministerium wurde eine österreichische Milchquotenstudie in Auftrag gegeben, die als Entscheidungshilfe für Politik, Milchproduzenten und Molkereien dienen soll. Die Ergebnisse werden im Spätsommer 2007 vorliegen. Der Milchexperte des Landwirtschaftsministeriums erklärte, dass Österreich die Herausforderungen durch Produkte mit höherer Wertschöpfung abfedern könne. Entscheidend für eine künftige Milchpreisentwicklung seien außerdem die Auswirkungen der Bioenergie in der Frage Energie- statt Futterflächen und zusätzliche Absatzpotenziale.
Beim Lebensmittelkauf sei der Preis zwar nach wie vor ein wichtiges Entscheidungskriterium, der so genannte Mehrwertfaktor gewinnt jedoch zunehmend an Bedeutung, erklärten Christoph Teller, Wirtschaftsuniversität, Andreas Steidl, Rewe, und Stephan Mikinovic, AMA, übereinstimmend. Demnach würden Regionalität, Frische und natürlich auch Bio für den Konsumenten immer wichtiger.
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