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Apr 27

Frostkatastrophe in der Landwirtschaft

Bei Totalausfall liegen die Verluste bei jenseits der 100 Millionen Euro.

 

IMG_3853Auf Grund der tiefen Temperaturen stehen die steirischen Obst-, Wein-, Spezialkulturen- und Gemüsebauern vor einer wahren Tragödie. Minusgrade haben dazu geführt, dass die nach der abgeschlossenen Blüte besonders temperaturempfindlichen Früchte großflächig abgestorben sind und in manchen Bereichen sogar mit einem Totalausfall zu rechnen sein wird. Zudem wird für die Nacht auf den Donnerstag neuerlich Frost vorhergesagt.

 

Landesrat Johann Seitinger: „Die Naturkatastrophen und wirtschaftlichen Einbrüche der letzten Jahre haben viele Bauern schon an den Rand ihrer Existenzen gebracht, jetzt kommt auch noch dieses verheerende Frostereignis dazu. Wir brauchen noch wirksamere Absicherungsmodelle, um unsere Versorgungssicherheit weiterhin gewährleisten zu können.“

 

Steirischer Obst-, Wein-, Spezialkulturen- und Gemüsebau in Zahlen

 

Sparte Fläche Produktionzahlen im durchschnittlichen Erzeugerpreisen in Millionen €
Apfel  6000 ha 63 Millionen
Birne    300 ha 7 Millionen
Kirsche     160 ha 3,6 Millionen
Zwetschke    200 ha 1,8 Millionen
Marille     150 ha 3,6 Millionen
Pfirsich     150 ha 2,7 Millionen
Beerenobst gesamt    800 ha 10 Millionen
Kürbis 17500 ha 49 Millionen
Wein   4500 ha 100 Millionen

 

Die Bäuerinnen und Bauern haben nun schon fünf Hungerjahre hinter sich: 2012 starkes Frostereignis, 2013 extremes Dürrejahr, 2014 Beginn des Russland Embargos und damit Handelssperren, 2015 größtes bisherige Preistief aller Zeiten und 2016 die bisher schlimmste Frostkatastrophe. Auch das Versuch- und Forschungszentrum des Landes Steiermark Haidegg ist massiv betroffen, auch dort gibt es einen Totalausfall.

 

Auf Grund der guten klimatischen Voraussetzungen wurde in den 70iger Jahren die Obstwirtschaft in der Steiermark aufgebaut. Im Jahr 1995 wurde die erste große Erzeugergemeinschaft gegründet. Über 2.000 Bäuerinnen und Bauern haben sich in diesem Sektor eine Existenz aufgebaut. Dazu kommen noch weit über 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Obstwirtschaft stehen (Verpackungswesen, Landtechnik, Baumschulen, etc.)

 

Die Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer Steiermark Maria Pein sieht das vergangene Frostereignis als den traurigsten Tag für den heimischen Obstbau: „Es geht  um viele Existenzen in den bäuerlichen Familienbetrieben. Wir Bauern haben unsere Werkstatt unter freiem Himmel und sind von der Natur abhängig. Leider ist der Klimawandel schon voll zu spüren“.

 

Im Hinblick auf die immer öfter auftretenden Wetterkapriolen ist daher eine rechtzeitige Risikoversicherung der erste wichtige Schritt zur Vermeidung bzw. Abfederung derartiger Ausfälle. Eine Versicherung gegen Frost ist derzeit bei Äpfeln, Birnen, Erdbeeren, Kürbis und Wein möglich.

 

Langfristig müssen effektive Klimaschutzmaßnahmen vorangetrieben werden, weil diese die einzige nachhaltige Maßnahme sind, damit noch verheerendere Katastrophen abgewendet werden können.

 

Wie geht es weiter:

 

  1. Exakte Schadensaufnahme in den nächsten zwei Wochen
  2. Prüfung der Schadensabdeckung durch Versicherungen
  3. Erweiterung der Versicherungsmodelle
  4. Prüfung eines Notprogramms

 

Seitinger: „Unser Ziel muss es sein, unseren Obstbauern in der Stunde höchster Verzweiflung unter die Arme zu greifen und auch schnellstmöglich dafür zu sorgen, dass das Russland Embargo aufgehoben wird.“

Foto: Lebensresort