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Jan 27

Entwicklungen die Sorgen bereiten

Die Gesellschaft stellt heute ganz zu Recht höchste Ansprüche an die Arbeit der Bauern, insbesondere was die Qualität, die Vielfalt der Produkte sowie den Tierschutz und die Umwelt anbelangt. Dazu kommt noch das große Spannungsfeld der Naturgewalten und des globalen Marktdruckes.

PK_DashatderBauerdavon_Sei_ToIn den 20 Jahren unserer EU-Mitgliedschaft hat sich vieles geändert. Die Strukturen der EU-Landwirtschaft sind höchst unterschiedlich. Vergleicht man die steirische Landwirtschaft mit der globalen, so unterscheiden sich schon die Begrifflichkeiten. Während man in der globalen Landwirtschaft von Agrarproduktion, Verbraucherströmen oder Nahrungsmittelindustrie spricht, gibt es bei uns nach wie vor den Bauern, das Lebensmittel oder die Berufssparten der Fleischer Bäcker usw.. Trotz der großen Spannungsfelder ist es uns in der Steiermark gelungen, den gigantischen Strukturwandel aufzuhalten. Dennoch stehen wir vor weiteren großen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Neben der Versorgungssicherheit verlangt die Sorge um den Klimawandel ebenso unsere uneingeschränkte Aufmerksamkeit, wie eine entsprechende Wertschätzung von Grund und Boden als Grundlage für das nackte Überleben.

Entwicklungen die Sorge bereiten

Folgende Zahlen und Fakten sollten uns alle zum Nachdenken anregen und dazu führen, unser tägliches Tun und Handeln entsprechend zu überdenken:

• pro Tag sperren in Österreich zehn Bauern ihren Hof zu (in der Steiermark sind es zwei)

• die steirische Land- und Forstwirtschaft gibt 104.000 Arbeitnehmern eine Existenz (jeder Wertschöpfungsabfluss bedeutet auch einen dramatischen Abfluss von Arbeitsplätzen)

• die Wertschöpfungsverteilung (Bauer – Verarbeitung – Handel) ist aus dem Lot geraten

• der Respekt vor Eigentum als Grundwert unserer Gesellschaft bröckelt

• der Schädlingsbefall nimmt in einem unvorstellbaren Ausmaß zu (Maiswurzelbohrer, Borkenkäfer, etc.)

• überbordende Bürokratie ist zu einer Geißel der Motivation und Innovationskraft geworden

Der Familienbetrieb ist die Zukunft und nicht die Agrarindustrie

Um die kleinstrukturierte Landwirtschaft auch in Zukunft erhalten zu können, müssen unsere Familienbetriebe gestärkt werden. Dazu sind folgende Maßnahmen zu setzen:

• Erleichterungen bei Investitionen

• Schaffung von Betriebsgemeinschaften

• eine weitere Professionalisierung der Erzeuger- und Vermarktungsgemeinschaften als Gegengewicht zum Handel

• starke und qualitätsvolle Produkte und Marken

• Stärkung der Direktvermarktung und der Biolandwirtschaft

• Offensive bei bäuerlichen Dienstleistungen im ländlichen Raum

Bauernbundobmann Hans Seitinger: „Eine fundierte Ausbildung und Beratung im agrarischen Bereich sind das wichtigste Fundament, denn die geistigen Hektar sind die ertragreichsten! Außerdem gilt es mehr Wissen über die Erzeugung und den Wert von Lebensmitteln in die Köpfe der Konsumenten zu bringen.“ Durch mehr Wissen über Lebensmittel und deren Eigenschaften wären auch verrückte Kennzeichnungsvorgaben wie die Allergeninformationsverordnung nicht notwendig und gleichzeitig könnten durch richtiges Ernährungsverhalten, immense Kosten für Ernährungs- und Stoffwechselerkrankungen eingespart werden, die derzeit bei immerhin 33 Milliarden Euro pro Jahr liegen.

Fairness am Markt

Bauer sein ist viel mehr, als Rohstoffe für einen Markt zu produzieren. Unsere Bauern bemühen sich jeden Tag verlässlich darum, kontinuierlich höchste Qualität zu liefern und tragen dabei oft auch noch den größten Teil des Risikos. Daher ist die Fairness am Markt einzufordern, um den Bauern einen gerechten Lohn für Ihre Leistungen zu bezahlen.Seitinger: „Es braucht ganz klar mehr Fairness am Markt. Wenn Bauern für einen Kilo Äpfel nur 20 Cent erhalten, der Konsument dafür aber bis zu drei Euro bezahlt, dann stimmt etwas nicht. Ich bin mir aber auch sicher, dass 95 Prozent der Konsumenten dieses Unrecht gar nicht bewusst ist.“
In der Zukunft sollen eine faire Partnerschaft mit dem Handel und eine transparentere Preisbildung ebenso zur Beseitigung dieses Missstandes beitragen, wie die Stärkung regionaler Märkte und Produkte.

Stark und innovativ in die Zukunft

Der Bauernbund wird sich in die Landespolitik weiter stark einbringen. Die Entwicklung des ländlichen Raumes und die zukünftige Gestaltung der Standortqualitäten, dazu gehören eine moderne Mobilität, die Nahversorgung und eine zukunftsorientierte Energiewirtschaft, wird vom Bauernbund maßgeblich mitgestaltet werden. Gerade in Zeiten angespannter Arbeitsmärkte zählt die regionale Wertschöpfung und Wertschätzung mehr als je zuvor. Der Bauernbund und seine Mitglieder haben es in der Hand, eine nachhaltige Lebensführung mit hohen Werten vorzudenken und beispielhaft vorzuleben. Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, soziale Gerechtigkeit und ökologische Verantwortung gehören zusammen gedacht. So wird es gelingen, nicht nur die Gesellschaft insbesondere im ländlichen Raum zusammen zu halten, sondern auch innovative Werkstatt für einen gesellschaftlichen Fortschritt zu sein und Traditionen neu zu leben.„Mein Ziel ist es, den Bauernbund zu einem starken und innovativen Bürgerbund zu entwickeln!“, präzisiert Seitinger seine Vorstellungen. Auch im heurigen Jahr werden die Bauern mit zahlreichen Projekten und Aktivitäten auf ihre Leistungen aufmerksam machen. So wird es neben dem steiermarkweiten Bauerntag auch umfassende Diskussionsveranstaltungen zur Weiterentwicklung der ländlichen Räume geben.